Artischocken genießen und Winterspeck verabschieden

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Zutaten Artischocke mit würzigem Öl

Meine allerbeste geschmackliche Erinnerung in Verbindung mit Artischocken führt mich gedanklich ins Inselinnere von Kreta zurück. Vor Jahren dort mit dem Motorrad unterwegs, erkundigten wir uns bei einem einsam gelegenen Haus nach dem Weg. Eine Frau rief uns auf ihre Terrasse und bot uns Wasser und rohe, frische Artischocken, fein aufgeschnitten mit Salz und Zitronensaft an. Der Geschmack war phantastisch und mir ist bewusst geworden wie wesentlich die Frische bei dieser wunderbaren Distelblüte ist.

Seither halte Ausschau nach prall gefüllten Exemplaren deren Blätter frisch und nicht trocken sind und die keine braune Spitzen haben. Zu den schmackhaftesten Sorten gehören die bekannten großköpfigen, rundlichen Artischocken aus der Bretagne, die ich bereits als Kind geliebt habe. Sie werden bis zu 500 Gramm schwer und ergeben mit der richtigen Sauce oder Marinade eine leichte Hauptmahlzeit. Ihre Erntezeit ist Mai bis November.

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Seit Mitte Februar ist beim Bio-Stand meines Vertrauens am Yppenplatz eine eher mittelgroße, etwas spitz zulaufende Sorte aus Italien erhältlich… Mir ist schon klar, dass es sich eher um Süditalien oder Sizilien handeln muss und der Begriff der Regionalität nicht mehr zutrifft, aber der Anblick frischer Artischocken setzt meinem Bestreben mich an saisonales, regionales Gemüse zu halten öfters ein kurzfristiges Ende. Sind sie doch mein absolutes Lieblings-Gemüse…

Die Tatsache, dass Artischocken bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vorwiegend dem französischen Adel vorbehalten waren und als Zeichen von Reichtum und gehobener Lebensart galten, finde ich in diesem Zusammenhang eine Gemeinheit, bzw. erinnert mich das an den netten Luxemburger Spruch was es bedeuten kann ´auf der falschen Seite der Schloßmauer geboren zu sein`. Hätte ich vor 300 Jahren gelebt, wäre das tatsächlich mein Schicksal gewesen und diese einzigartige Frucht wäre mir Zeit meines Lebens entgangen. Besonders gut geht es mir in diesem Sinn zwischen Juli und Oktober wenn am Yppenplatz frische, heimische Ware aus dem Marchfeld direkt vom Produzenten erhältlich ist. foodblog, fit essen, TCM Rezepte, Gemüse Rezepte, Unverträglichkeiten, Artischocke, Pinienkerne, Kräuter

Für 1 Person:
1 Artischocke
½ TL Fenchelsamen
½ TL Koriandersamen
1 EL Pinienkerne
½ EL Staubzucker am besten aus der Mühle
2 eingelegte Tomaten
1/8 Salzzitrone ersatzweise etwas Zitronensaft und  Zitronenschale
1 EL gehackte Minze
1 EL gehackte Petersilie
25 ml Olivenöl

Artischocke in Salzwasser (eventuell mit einem EL Zitronensaft gegen die Bitterkeit) weich kochen. Die Kochzeit ist stark abhängig von der Größe der Artischocke, je nach dem 20-40 Minuten. Wenn die äußeren Blätter sich leicht ablösen lassen ist sie gar. Meine würzige Lieblingsmarinade dazu ist schnell fertig und es reicht sie zu zubereiten wenn die Blätter sich zu lösen beginnen.

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Fenchel- und Koriandersamen in einer Pfanne anrösten, mit Staubzucker (aus der Mühle) bestäuben und kurz karamellisieren lassen. Vorsicht bitte, wenn die Pfanne richtig heiß ist, kann das sehr schnell gehen! Mit Olivenöl ablöschen, Pinienkerne, klein gehackte einlegte Tomatenstückchen und eventuell Salzzitrone zufügen. Zusätzliches Salz ist aufgrund der Salzzitrone meist nicht notwendig, eventuell etwas mehr Olivenöl. Zum Schluss die Kräuter untermischen und die Marinade über die gut abgetropften Artischocken gießen. Dazu schneide ich immer den Stengel am Ansatz ab, damit die Artischocke aufrecht auf dem Teller stehen kann.

Eventuell sollte ich erwähnen, dass diese Artischocken im Ganzen verzehrt werden, die Blätter werden während dem Essen einzeln abgeschält und ´mit den Zähnen abgezogen´. Die Stengel oder deren Inneres können bei zarten Früchten und je nach Frischegrad mit genossen werden. Ein Teil des Kochwasser kann über den Tag verteilt, eventuell mit etwas Honig gesüßt, getrunken werden. Es stärkt Leber, Galle und Nieren.

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Alternativ schmeckt die Artischocke auch klassisch mit Vinaigrette und hartgekochtem Ei oder mit der Sauce vom Romanesco der man statt Dille etwas Senf zufügt.
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Aus der Sicht der TCM:

Die Artischocke ist kühl, süß und bitter. Sie bringt das Leber Qi zum Fließen, kann Stagnationen lösen, Schmerzen lindern, Durchfall und Verstopfung regulieren und bei Regelbeschwerden wirksam sein. Sie eliminiert Hitze und kühlt das Blut, wirkt bei Nierenbeckenentzündungen, Darmblutungen, Aphten und Mundgeschwüren und senkt über den bitteren Geschmack das Magen Qi ab. Die frischen Kräuter unterstützen die reinigende und bewegende Wirkung der Artischocke.

Sie ist ein wirksames Mittel gegen feuchte Hitze und geht gezielt gegen Winterspeck vor, vorausgesetzt man übertreibt es nicht mit der Marinade. Hilfreich ist zudem eine Artischocken-Tee-Kur (Spitzen der Blätter vorm Kochen abschneiden, trocknen und 3x täglich 1 EL mit einer Tasse Wasser überbrühen) oder eine Frisch-Saftkur (3x täglich 1-2 EL Artischockensaft aus dem Reformhaus).

Vorsicht mit Artischocken in der Schwangerschaft und bei rheumatischen Erkrankungen.

Aus westlicher Sicht regen die in der Artischocke enthaltenen Bitterstoffe den Appetit und den Stoffwechsel an. Die reichlich enthaltenen Flavonoiden unterstützen die Gallentätigkeit, senken den Cholesterinspiegel und die Blutfette. Sie ist reich an Inulin welches sich günstig auf den Blutzuckerspiegel auswirkt. Vorsicht ist bei Gallensteinen und Beifuß-Allergie geboten: Artischocken gehören zu den Korbblütler-Gewächsen und es kann zu Kreuzreaktion kommen!

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Die Ernährung nach TCM dient der Gesunderhaltung und der Harmonisierung der körpereigenen Heilungskräfte. Meine Rezepte sind kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Behandlung, sie erfüllen keine medizinischen Zwecke.

Kommentare 2

  1. liebe Frau Neuens, ich kenne die kleinen länglichen Artischocken als „Castraure“ von den Inseln der Lagune von Venedig. Dort sind sie DAS typische Frühlingsgemüse und durchaus für alle Schichten verfügbar gewesen. Also don`t worry about Regionalität – Venedig liegt ja quasi ums Eck 😉
    beste Grüße
    Regina S. de Grancy

    • Pascale Neuens März 31, 2016

      Liebe Frau de Grancy,
      vielen Dank für dieses spannende ‚insider Wissen‘. Das freut mich sehr für unsere südlichen Nachbarn, dass sie immer schon Zugang zu den köstlichen Blüten hatten. Und ich kaufe mir gleich die nächste Ration…
      Lg, Pascale Neuens

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