Feiglinge statt Zuckerschock

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Heute falle ich mal mit der Tür ins Haus: Hast du dir schon mal überlegt, wie viel Zucker du pro Tag zu dir nimmst? Neulich bin ich über diese Statistik gestolpert, jeder Deutsche (im gesamten deutschsprachigen Raum wird es nicht viel anders sein) folgende Mengen:

  • gut zehn Kilogramm Schokolade und Schokoladenerzeugnisse aus
    weiterverarbeiteten Produkten, wie beispielsweise Osterhasen
  • rund zwei Kilogramm Kakaopulver, das vor allem in der industriellen Fertigung eingesetzt wird
  • fünfeinhalb Kilogramm Bonbons und Zuckerwaren, wie unter anderem kandierte Früchte, Fruchtgummis und Marzipan
  • sieben Kilogramm sogenannte feine Backwaren wie Kekse, Lebkuchen und Knäckebrot
  • dreieinhalb Kilo gesüßte Knabberartikel wie zum Beispiel Chips oder Cracker
    sowie die gleiche Menge an Speiseeis und Sorbets

Wenn du dir jetzt denkst, ha, gewonnen, das trifft auf mich ganz sicher nicht zu, dann wären da noch die vielen Zuckerfallen die uns gar nicht so bewusst sind:
In allen industriellen Lebensmitteln – auch pikanten – ist Zucker enthalten. Der Grund ist die Fettphobie der letzten Jahrzehnte! Aber ohne Fett schmeckt das Essen nicht. Zucker bot der Industrie eine willkommene Alternative um den Geschmack der Nahrungsmittel aufzupeppen. Daneben dient er als Konservierungsstoff, Färbe- und Bindemittel, gibt den Produkten Form und Struktur und er ist billig. Durch das Beimengen von Zucker, erspart sich die Industrie das Zugeben hochwertiger, teurer Zutaten. Zucker ist in Fertiggerichten, Instantsuppen, Suppenwürfeln, Aufstrichen, Brot, Wurst, Feinkostsalaten, Dressings, Saucen,…

Das Schwierige ist, dass Zucker unter so vielen Decknamen auftaucht. Steht auf der Packung eine Endung mit “-ose”, dann ist Zucker drin: Saccharose (Haushaltszucker), Glukose (Traubenzucker), Maltose (Malzzucker), Fruktose (Fruchtzucker). Und dann wären da noch Sirups, Süßungsmittel und Zuckeralkohole. Invert-, Glukose-, Fruktose-, Mais-, Stärkesirup, Dicksaft, Maltodextrin, Maltoextrakt, Magermilchpulver, Süßmolkepulver, Xylit, Sorbit, Erythrit, …. Das ist alles beabsichtigte Irreführung, damit werden wir Konsumenten getäuscht.

Wenn du die Zutatenliste absuchst, wird dir schwindelig und das Schockierende: Der Begriff „zuckerfrei“ darf für alle Produkte verwendet werden, die keinen raffinierten weißen Zucker enthalten. Es ist also längst nicht alles „zuckerfrei“ wo „zuckerfrei“ draufsteht!!!

Mein Tipp: kaufe am besten natürliche, unverarbeitete Lebensmittel die aus EINER Zutat bestehen und backe selber! Dan entscheidest DU welchen und wie viel Zucker hinein kommt. Dabei wechsle ich die Zuckerquellen genauso ab, wie alle anderen Nahrungsmittel: einmal Bio-Rohrohrzucker für Kuchen, ab und zu etwas Ahornsirup oder Honig über den Brei, Trockenfrüchte für glutenfreie Muffins und wo es nicht auf die Masse zum Backen ankommt nehme ich mitunter auch mal Stevia. Bei Birkenzucker bin ich vorsichtig, einerseits hat er zwar den großen Vorteil den Blutzuckerspiegel nicht zu belasten, andererseits sorgen die weitgehend unverdaubaren Zuckeralkohole, häufig für Durchfall und Blähungen Bei Reizdarm und empfindlicher Verdauung sind sie somit nicht das Mittel der Wahl.

Ich reduziere auf jeden Fall die in Rezepten üblicherweise angegebene Zuckermenge um zumindest ein Drittel, meistens um einiges mehr. Sogar meinen Kindern sind herkömmliche Süßigkeiten meistens zu süß. Probiere es aus. Nach einer kurzen Umgewöhnungsphase wird es dir genauso schmecken!

Einige Vorteile wenn du weniger Zucker isst:

  • du schläfst besser
  • dein Energielevel beliebt konstanter
  • dein Hautbild verbessert sich
  • dein Immunsystem wird gestärkt
  • Gewichtsstabilisation
  • du senkst dein Risiko für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Sprechen dich diese gesundheitliche Vorteile an und du weißt noch nicht wie du das im Alltag gut umsetzen kannst?

In meinem Kochbuch ” Wie sich das Leben lieben lässt” findest du viel Ideen für gesunde, selbstgemachte Snacks, zum Teil komplett zuckerfrei.

Oder fang gleich an zu backen: zucker- und getreidefreien Apfelkuchen, Karotten-Schoko-Muffins oder  ein saftiger Hirse-Auflauf. Statt viel Zucker, packe ich andere Aromen rein. Heute im Einsatz, das Aroma von köstlichen Bio-Orangen, Kardamom und Zimt.

Feiglinge

24 STÜCK

Für den Teig:
200 g getrocknete Feigen (am besten über Nacht einweichen)
250 g Mandeln oder Walnüsse
1 TL gemahlener Zimt
1 TL frisch geriebene Zitronen- oder Orangenschale
1/2 TL frisch gemörserter Kardamom oder 1/4 TL gemahlene Vanille
1 – 2 EL frisch gepresster Zitronensaft
1 Prise Salz
1 TL (Sonnenblumen-)Honig
100 g Hafermehl (nur für die gefüllte Variante)
1 Eiweiß oder 1 EL Lein- samen, gemahlen mit
2 1/2 EL Wasser 5 Minuten eingeweicht

Für die Fülle
150 g getrocknete Feigen
50 ml Wasser oder starker
Rooibostee
1 TL Vanille
1 EL Zitronensaft

Das Backrohr auf 180 °C erhitzen.
Für die Fülle die Feigen in kleine Stücke schneiden und in einem kleinen Topf mit Wasser/Tee, Vanille und Salz bei schwacher Hitze weich garen. Bei Bedarf eventuell etwas Wasser zugeben. Mit dem Pürierstab zerkleinern. Mit Zitronensaft vorsichtig abschmecken, sodass die Fülle nicht zu
flüssig wird!

Für den Teig die getrockneten Feigen über Nacht einweichen oder mit kochendem Wasser übergießen und mindestens 30 Minuten einweichen. Das Wasser abgießen. Eventuell die
Feigen etwas ausdrücken und in der Küchenmaschine zerkleinern. Wenn du keine Küchenmaschine besitzt, schneide die Feigen in kleine Stücke und püriere sie mit dem Mixer. Mandeln oder Walnüsse mit Zimt, Zitrusschale, Zitronensaft und Kardamom oder Vanille unter die Feigen mischen. Salz, Honig, Hafermehl und Eiweiß oder Leinsamen ebenfalls hinzufügen. Gut durchmischen. Wenn der Teig sehr klebrig sein sollte, etwas mehr Hafermehl zugeben. Den Teig halbieren und jede Hälfte zu einem 12 x 28 cm großen Rechteck ausrollen.

Die Fülle auf eine Hälfte jedes Rechtecks, der Länge nach, verteilen. Die andere Hälfte über die Fülle schlagen und mit den Fingern zu einer Rolle verschließen. Die beiden Teigrollen mit einem scharfen Messer in jeweils circa 12 identische Stücke schneiden. Kekse auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und 20 Minuten bei 180 °C backen. Vollständig auskühlen lassen.

TIPP
Du musst die Feiglinge nicht füllen. Dies verlangt etwas Fingerspitzengefühl. Wenn du möchtest, rolle den Teig nur dünn (circa 1/2 cm dick) aus und stich Kekse aus. Backe diese circa
10 bis 12 Minuten. Wenn du dich für die gefüllte Variante entscheidest, schneide die Ränder gerade und rolle das, was du wegschneidest, einfach wieder aus und stich Kekse aus.

Ich habe das Rezept auch mit Sonnenblumenkernen getestet. Diese Version schmeckt etwas weniger fein, wenn man aber keinen direkten Vergleich mit der Mandelversion hat, sind sie genauso köstlich.

Aus der Sicht der TCM:

Die Feiglinge regen die Darmperistaltik an und mildern Trockenheit der Atemwege.

Mandeln wirken auf die Lunge, in Kombination mit den befeuchtenden, getrockneten Feigen geben diese kleinen Feiglinge Kraft und befeuchten die Schleimhäute der Atemwege, helfen bei trockenem Husten und Halsschmerzen.

Feigen gelten frisch als thermisch neutral und getrocknet als wärmend. Sie wirken auf den Darm, die Lunge und die Milz. Ihre Haupteigenschaft (auch westlich gesehen) ist ihre anregende Wirkung auf die Darmperistaltik, frisch und getrocknet. Über Nacht in Wasser eingeweicht wirken sie, morgens nüchtern samt Einweichwasser genossen, als sanftes Abführmittel. Viel dazu trinken!

Feiglinge ist ein gewagter Titel – aber dieser gilt nur für die Kekse: DU bist in meinen Augen sehr mutig! Du hast den breiten Weg der bequemen Ernährung verlassen und wandelst nun auf deinem eigenem Pfad hin zu mehr Wohlbefinden und Zufriedenheit. Ich gratuliere dir zu diesem wichtigem Schritt und wünsche viel Spaß beim Auskundschaften ausgewogener Naschereien!

Die Ernährung nach TCM dient der Gesunderhaltung und der Harmonisierung der körpereigenen Heilungskräfte. Meine Rezepte sind kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Behandlung, sie erfüllen keine medizinischen Zwecke.

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